fbpx

Der eigene Selbstwert – Einbildung oder Realität?

Gestern wurde ich nach einiger Zeit mal wieder mit Gedanken zu mir selbst überflutet. Mein Selbstwert. Wie ist er eigentlich aktuell? Ich weiß, wo er war. Vor vielen Jahren, in der Kindheit, auch in der Jugend, tief tief unten versteckt. Da habe ich ihn auch gehalten, wenn ich so zurückdenke auch aus Selbstschutz, aber das ist eine andere Geschichte.

Selbstwert heute

In den letzen 20, 25 Jahren hat sich einiges getan. Ich bin gewachsen. Und die Erfahrungen, die mich haben wachsen lassen, waren auch gute Nahrung für meinen Selbstwert. Klar, immer wieder gab und gibt es immer noch Momente, in denen das Selbstwertgefühl sinkt. Aber diese Momente sind über die Zeit hinweg weniger und kürzer geworden.

War ich vor über 20 Jahren sofort verunsichert, wenn mich jemand anscheinend schräg oder zu lang angeschaut hat, wenn ich mutig war und mit komplett geschminktem Gesicht – inklusive Lippenstift! auffällig! – unterwegs war, oder das bunte Kleidungsstück getragen habe, das mir so gut gefiel aber überhaupt nicht zur aktuelle Mode passte, dann kann ich das heute mit einem mindestens inneren Lächeln tun. Und wenn ich mich eben nicht so fühle, dass ich Blicken dieser Art begegnen kann, weil ich weiß, dass die Mind-Gremlins knurren könnten, dann gibt es eben nicht den knalligen Lippenstift oder das hellgrüne Top zur pinkfarbenen Hose.

Das Freischaufeln des Selbstwert-Gefühls

Jetzt stelle ich mir gerade die Frage, wie ich denn das versteckte mich-selbst-wertschätzen aus den Tiefen ausgegraben habe? Und so genau kann ich das gar nicht sagen. Einen großen Einfluss hatte mit Sicherheit, dass ich nach einer Beziehung, in der ich eher die Freundin war, statt Ich zu sein, festgestellt habe, dass ich selbst *jemand* bin und nicht nur ein Anhängsel. Das war tatsächlich ein ganz neues Gefühl. Wertschätzung von außen für meine Person, mich. Spätestens da hat der Selbstwert aus dem Dunkel mit offenen, wenn auch manchmal noch scheuen Augen ins Licht geblickt.

Über die nächste Zeit gab es klar Aufs und Abs, die gibt es immer noch, aber der Anfang war gemacht.

Wo sitzt er heute, der Selbstwert?

Eine Sache, mit und durch die ich nochmals sehr gewachsen bin, ist das Malen. Und deswegen bin ich auch so begeistert davon und würde diese Begeisterung am liebsten in die ganze Welt bringen! Wieviele Jahre habe ich geglaubt, ich kann nicht malen, nicht zeichnen? Wie oft habe ich es versucht und wieder aufgegeben? Ich weiß es nicht. Aber was ich weiß, 2012 hat das begonnen, was mich nun so brennen lässt. Effy Wild, die ich über ein anderes Thema als Podcast gefunden hatte, brachte mich damals zum Medium des Art Journals durch ihr Book of Days (das wäre dann Werbung ohne Bezahlung, einfach weil es eine tolle Sache ist).

Damit hat es angefangen, das, was ich mit Stift, Pinsel und Farbe auf Papier bringe, einfach so zu sehen und zu nehmen, wie es ist. Und wenn es mir nicht gefällt, dann male ich nochmal drüber, und übe, und probiere aus, solange, bis das, was ich auf Papier bringen wollte, dem Gefühl entspricht, von dem der Ursprung ausgeht. Wobei das nicht immer *schön* sein muss. Das war ein wichtiger Nährstoff für meinen Selbstwert, und ist es immer noch. Hier ist das Cover des ersten Art Journals, ein altes Buch, das zu neuem Leben erweckt wurde, indem die Seiten beklebt und bemalt wurden. Ein Tagebuch mit Farbe.

Ein kleines Schlagloch mit kurzer Dunkelheit

Was war nun gestern, das ich mir so viele Gedanke um mich und meinen *Wert* mache?

Vor einem Jahr waren wir kurz vor der Eröffnung der ArtWerk, die Ausstellung, bei der ich zum ersten Mal meine Werke öffentlich zeigen durfte, hier hatte ich ein bisschen davon berichtet. Und dieses Jahr darf ich wieder mitmachen – ganz schön überwältigend für mich! Viele neue Künstler und Künstlerinnen werden dabei sein, waren wir letztes Jahr 16, so sind wir dieses Jahr (im Moment) 23 Ausstellende.

Um ein bisschen zu planen hatten wir also gestern ein Treffen, bei dem fast alle dabei waren, und mir ist mal wieder klar geworden, was für ein kleines Licht ich doch bin in der Runde, in der ich saß. Dabei kannte ich fast keinen, und tatsächlich niemanden richtig. Ich weiß nicht, wer die Kunst, die betrieben wird, als Hauptverdienst ausübt, oder ob es als Hobby zum Ausgleich genutzt wird, wer an der Kunst-Akademie studiert hat oder wie ich ein Autodidakt ist. Aber ich bin ein kleines Licht. Klar. Ich habe die geringste Erfahrung und male die kürzeste Zeit. Macht mich das echt klein?

Bämm.

Bei der Vorstellungsrunde war ich etwas aufgeregt. Was sage ich, wer bin ich, was mache ich. “Ich bin die Monika Carey, war letztes Jahr schon dabei und darf wieder mitmachen. Ich male seit *stotternd, stammelnd* zweitausend ääh zwanzigtausend ääh zwanzig zwölf” und während ich mich so verhaspele sehe ich keine Gesichter mehr, sondern es ist dunkel, das Sichtfeld wird immer kleiner, wie in einem Tunnel. Jemand hilft mir und sagt “zweitausendzwölf”, ich lache und bedanke mich, und rede weiter. “Ich male hauptsächlich in Acryl und Mischtechnik, und hüpfe von Abstrakt über Gesichter zur ein oder anderen Blume, und bringe das, was die Psyche bearbeiten will, in die Bilder”

Was mich dann überrascht hat: es war mir nicht peinlich! Nein. Es *war* nur. Vor einigen Jahren noch wäre ich am liebsten in den Boden versunken. Nicht einmal eine Jahreszahl kannst du aussprechen. Und du willst neben diesen großen Künstlern dein piefigen Bildchen ausstellen? Nein. Nicht einmal ansatzweise kamen diese Gedanken. Statt dessen wurde mir klar, dass es in jeder Gruppenausstellung jemanden wie mich gibt. Und das ist gut so. Denn das, was ich mache, hat Wert. Und den Wert bestimme ich. Im letzten Jahr habe ich mich nicht an der Ausstellung beteiligt, um berühmt zu werden und durch meine Bilder reich zu werden. Dass tatsächlich drei Bilder gekauft wurden, hat mich unwahrscheinlich gefreut und macht mich immer noch stolz! Ich war dabei, um die Erfahrung zu machen. Genauso wird es dieses Jahr sein. Ich freue mich schon darauf, die Bilder, die ich mitnehmen möchte, fertig zu malen und zu zeigen. Denn sie zeigen einen Teil von mir, und ich bin zufrieden mit diesem Teil.

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen