Seite aus meinem Artjournal

Selbstreflexion durch Malen

Manchmal gibt es so Tage….

Nicht jeder Tag läuft gut. Manche sind außerordentlich wunderbar, manche sind so, dass ich sie am liebsten aus dem Kalender streichen würde. Mal gibt es einen Grund dafür, mal ist es einfach so. Was mir dann hilft, ist mir dann den Luxus gönnen kann, mir einfach die Zeit zu nehmen, mich darauf zu konzentrieren, was eigentlich los ist, Selbstreflexion, eine Schau nach Innen. Wenn es tatsächlich einen Grund gibt, vielleicht Sorgen wegen einem der Kinder (die ja mit großen Schritten im Erwachsenwerden unterwegs sind), oder weil vielleicht die Trauer um meine Mutter wieder in den Fängen hat, dann bin ich oft schon einen Schritt weiter.

Aber dann gibt es ja auch Momente, in denen ich mich “einfach so” in einem Loch finde. Ohne dass ein Grund sichtbar ist. So auf den ersten Blick zumindest. Für diese Momente habe ich mir ein Ritual gebastelt, das mir hilft, ein bisschen Licht ins seelische Dunkel zu bringen. Doch dazu in einem späteren Beitrag mehr, denn das könnte auch für Dich eine spannende Sache sein.

Rückbesinnung auf mich, Selbstreflexion

Bleib ruhig, es kommt wie es kommt

Das kennst Du sicher auch – Frust, weil Dein Kind anders reagiert, als geplant, ein Traum, der Dich in den Tag hinein verfolgt, Dir begegnet etwas, das Dich an einen lieben Menschen erinnert, der oder die von Dir gegangen ist…. Alles Situationen, die einen bis dahin guten Tag ins Gegenteil drehen können. Am liebsten lasse ich das dann auf einer großen Leinwand aus, aber die steht nicht immer zur Verfügung, genauso wenig wie die Zeit, denn wenn es schon eine Leinwand ist, die mein Innerstes aufnehmen soll, dann möchte ich am Schluss auch ein Bild haben, das nicht Wochen oder sogar Monate bis zur Vollendung benötigt. (Wobei das trotzdem der Fall war bei Calm down, was allerdings an der langwierigen Hintergrundgeschichte lag).

Ich möchte aber trotzdem mit Farben ein bisschen Magie betreiben und meine innere Welt wieder bunter machen. Dazu nehme ich mein Artjournal, eine Art Tagebuch, das mit Bildern gefüllt wird, ein “Kunst-Tagebuch” (wobei mir der deutsche Begriff sehr schwer von den Lippen kommt). Wenn ich aber gerade keines zur Hand habe, dann genügt mir auch ein Blatt aus dem Block mit Aquarellpapier, oder spezielles Mixed-Media-Papier, beide sind dick und fest genug, um mit viel Farbe und Wasser zurechtzukommen. Meine Lieblingsgröße ist dann DinA3, das fertige Stück kommt dann je nach dem, was herauskommt, entweder in eine Mappe oder wird sogar aufgehängt. Nicht jede Selbstreflexion eignet sich dazu, an eine Wand zu kommen und von jedem gesehen zu werden.

Seelenmüll abladen

Wie gehe jetzt aber dabei vor? Seelenmüll abladen ist eigentlich ganz einfach 🙂 Zuerst nutze ich das Blatt – egal ob im Artjournal oder Bogen Aquarellpapier – tatsächlich wie ein Tagebuch und schreibe ohne Sinn und Verstand kreuz und quer, was mir einfällt. Ob Bleistift, Kuli, Kohlestift, Tinte, ganz egal. Ohne Angst und Wertung, alles kommt in diesen im Vergleich zweidimensionalen Mülleimer.

einfach beginnen, den Müll aus der Seele entsorgen, mit Stift und Papier

Jetzt, wo alles raus ist, manchmal auch mit ein paar Tränen auf dem Papier, greife ich zu ein paar Acryl-Farben, die mir gut tun. Oft habe ich noch ein paar schöne Collage-Papiere, von denen ich Schnipsel, Ecken und Streifen abreisse und über mein Geschriebenes klebe. Zum Kleben nutze ich Medium, das ich oft auch als Zwischenschicht über das ganze Blatt gebe. Mit den Farben mache ich hier und dort ein paar Kleckse, immer Gefühl und Intuition folgend. Wenn es dann passend ist für mich, dann kommt eine dünne Schicht Gesso darauf, am liebsten mit einer Walze, damit nicht alles komplett bedeckt wird.

Während dieses Prozesses versuche ich herauszufinden, was möglich ist, um eine Änderung der Situation herbeizuführen, die mich in mein seelisches Loch gebracht hat, oder ich denke an Dinge, für die ich dankbar bin. Stichworte zu diesen Gedanken halte ich auf einem Zettel fest, den ich bei mir liegen habe, ich will ja nichts von dem vergessen, was mir einfällt. Und wenn dann diese erste Schicht (oder eigentlich 2-3 Schichten) fertig ist, dann klebe ich diesen Zettel vielleicht auch mit auf, oder ich schreibe die Stichworte wieder auf das Blatt. Und wieder kommen Collage und/oder Farbe drauf. Mit Schablonen oder Stempel, alles ist erlaubt, was mir in die Hände kommt.

Irgendwann ist es dann soweit, dass sich Formen zeigen, die ich gerne mehr herausholen möchte. Zugegeben, meist sind es Gesichter oder Blumen. Wenn dann das Bild so gut wie fertig ist, kann es gut sein, dass das ein oder andere Wort oder ein Satz aus der Sammlung, die auf dem Zettel entstand, auch auf das Bild wandert.

Bis jetzt hat diese Art, mit dunklen Gefühlen umzugehen, mir immer zumindest so gut getan, dass ich danach ein helleres Gefühl hatte. Manchmal kam sogar ein Lösungsansatz ans Licht.

Aber ich bitte, Folgendes zu beachten: eine Depression oder ähnliche Krankheiten der Psyche sind auf diese Art nicht zu therapieren. Es ist vielleicht eine Unterstützung, aber auf keinen Fall ein Ersatz für Arzt, Psychologe/Psychotherapeut oder Heilpraktiker. Bitte schau nach Dir und sorg für Dich.

Nutzt Du auch Farbe und Papier, um Dich zur Ruhe zu bringen? Ich bin neugierig: zeig mir doch, was Dir hilft, schreib einen Kommentar und gib mir einen Link dazu, ich würde gerne sehen, was Du machst!

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