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Was genau ist eigentlich dieser Muttertag?

Mitte April sieht man schon die ersten sachten Hinweise per Werbung – der Muttertag steht wieder an. Ähnlich wie Weihnachten kommt er für viele jedes Jahr überraschend und plötzlich, unvorhersehbar am zweiten Sonntag im Mai (übrigens, Weichnachten wird dieses Jahr am 24.12. stattfinden, am besten gleich in den Kalender eintragen 😉 ). Und je näher der Tag rückt, desto mehr Werbung sieht man: aus der S-Bahn an den Werbetafeln, im Briefkasten mit den tollsten Produkten für Mami im Discounter-Flyer, Waffeleisen, Blumenvasen, Kaffeemaschinen, Pralinen, im Fernsehen (ich schau das normale Programm kaum noch, bleibe da also immerhin weitestgehend verschont) mit Likör und Parfüm. Und je mehr ich davon sehe, desto übler wird’s mir. Warum eigentlich?

Fluch oder Segen?


Photo by Peter Bucks on Unsplash

So genau weiß ich das auch nicht. Als Kind hab ich mich immer auf den Muttertag gefreut, im Kindergarten und in der Grundschule wurde für Mama was gebastelt und ein kleiner Spruch auf eine Karte geschrieben. Etwas älter hab ich mir Gedanken gemacht, was meiner Mutter wohl am besten gefallen könnte, innerhalb des kleinen Budgets, das ich zur Verfügung hatte. Aber irgendwie hatte ich nie das Gefühl, dass es meiner Mutter so wichtig war. Ich habe aber nie gefragt, ob der Eindruck richtig war oder nicht, und nun kann ich sie nicht mehr fragen. Was sie aber tatsächlich genossen hat, war das gemeinsame Essen, das wir hatten, Spargel und Flädle und Schinken, Kartoffeln und Sauce Hollandaise. Schön, wenn frau einen Koch zum Mann hat, der dann Frau und Schwiegermutter bekocht.

Meine Kinder haben aus dem Kindergarten und der Grundschule auch immer hübsche selbstgebastelte Dinge gebracht, die ich teilweise noch an den Wänden hängen habe oder aber in einer Kiste aufbewahre.

Fluch

Ich glaube, was den Muttertag zu einem “Fluch” macht, ist die Erwartungshaltung. Nicht nur die eigene, sondern auch – oder gerade – die der Gesellschaft, die durch die ganze Werbung höher und höher geschraubt wird. Die Mutter muss an diesem einen Tag auf Händen getragen werden. Am Tag vorher (und überhaupt das ganze Jahr vorher) und danach kann die Mutter dann wieder all die Aufgaben übernehmen, die sowieso selbstverständlich sind.

Nun gehöre ich zu den Frauen, die nicht in das uralte Klischee passen, bei dem zum Mutter-Sein bei gleichzeitigem Vollzeitjob noch der komplette Haushalt gehört. Ich bin dankbar, dass mein Mann ein hervorragender Haus-Mann ist, der, wie schon erwähnt, oft das Kochen übernimmt und auch beim Aufräumen und Saubermachen die besseren Noten erhalten würde, wenn es denn welche gäbe. Ich bin dazu einfach zu sehr die kreative Chaotin. Und da könnte bei mir vielleicht schon ein Teil des Unbehagens zu finden sein, das sich jedes Jahr auf’s Neue bei mir breitmacht: habe ich denn überhaupt das Feiern eines Muttertags verdient? Ich hoffe, dass bei Dir jetzt ein paar Glocken klingeln oder Du wenigstens die Augenbrauen hebst und denkst “hä? was soll dieser Gedanke?”, würde ich diese Zeilen bei jemand anderem lesen, wäre es auf alle Fälle so.

Was bedeutet denn eigentlich Muttersein?

Beginnen wir mit dem Einfachsten: Du bist eine Mutter, wenn Du ein Kind zur Welt gebracht hast. Egal wann, egal wie. Das ist erst einmal die gröbste Definition. Dazu kommt aber noch: Du bist eine Mutter, wenn Du Dich “mütterlich” um ein Kind kümmerst. Das bezieht dann schon mal all diejenigen mit ein, die eine Mutter-Rolle, also eine Kinder-kümmern-Rolle ohne eine Geburt hinter sich zu haben, erfüllen.

Nun kommt das ganze drumrum dazu: Füttern, Windeln wechseln, Essen kochen, Hintern wischen, Wäsche waschen, anziehen, ausziehen, trösten, erklären, lachen, erziehen, in den Kindergarten bringen, dort abholen, Kuchen backen, in die Schule bringen, dort abholen, Hausaufgaben erklären, Nachhilfe (so lange das geht), Pubertät mitmachen, Problemlösungen anbieten, zum Arzt bringen, Medizin geben, Schulter zum Weinen anbieten, Kotzkübel sein, diesen wortwörtlich ausleeren und entsprechende Wäsche waschen, mitansehen, wie das Kind Probleme hat, bei denen man nicht helfen kann, mitleiden, bei Erfolgen mitfreuen, mitfiebern und noch so viel mehr.

Wann das wieder aufhört? Ich glaube gar nicht. Meine beiden sind nun fast 20 und 17, die Sorgen und Ängste sind anders geworden, nicht kleiner, in manchen Dingen sogar größer. Eines meiner Kinder hat die Diagnose Depression, und wenn es dem Kind schlecht geht, dann geht es mir ebenfalls schlecht, weil ich mich sorge und eben Mutter bin. Genauso bin ich aber überglücklich wenn eines der beiden Kinder einen Erfolg in Ausbildung oder Studium hat. Und das wird noch genauso sein, wenn sie 30 Jahre alt sind. Oder 40.

Was hat das alles mit Haushalt zu tun?

Gar nichts. Denn hätte ich eine Haushaltshilfe, die das Kochen, putzen und waschen übernimmt, würde sich an den oben beschriebenen Dingen nicht viel ändern. Ok, ich müsste den Kotzkübel nicht leeren und die dreckige Bettwäsche nicht waschen.

Also beantworte ich mir meine Frage schon selber, Mutter-Sein bedeutet nicht, einen perfekten Haushalt zu führen, mit oder ohne Vollzeitjob, während alles, was mit Kindern und deren Aufwachsen zu tun hat, läuft. Für mich auf alle Fälle nicht. Ich bewundere alle, bei denen die Wohnung tiptop aussieht, während ein Baby auf dem Arm durch die Gegend getragen wird und ein älteres Kind gerade Violine übt. Würde es bei mir aber nie geben. Kann ich nicht, muss ich nicht.

Wo stehe ich dann in der Notenskala des Mutter-Seins?

Mir doch egal. Meine Große kam gestern an und hat mir mit den Worten “Du bist super” zum Muttertag gratuliert. Eine bessere Note gibt es nicht. Ich hab beiden für den Muttertag gesagt, dass ich keine Geschenke haben will, die sie sich sowieso nicht leisten können, sondern es für mich viel wertvoller ist, den Tag mit ihnen zu verbringen. Die Große hat überraschend doch arbeiten müssen, war dann aber zum Abendessen da. Der Kleine (der eigentlich der größte ist) hat mir ein leckeres Bircher Müsli zum Frühstück vorbereitet und einen Kuchen gebacken. Die Zeit mit den beiden ist so viel mehr wert als jede Schachtel Pralinen.

Segen

Und so war der Muttertag dieses Jahr doch ein schöner Tag. Den Mann hab ich irgendwann zu seinem Sport geschickt, ein Kind hat gearbeitet, das andere hat Kuchen gebacken, und ich hatte den ganzen Tag Zeit für mich zum malen. Ganz ohne schlechtes Gewissen und mit Genuss. Das Abendessen war lecker und schön mit allen zusammen. Ich muss mich nur noch nächstes Jahr dran erinnern, wie es in diesem war. Und ja, ich hab einen Muttertag verdient. So viel, wie ich an Energie durch Emotionsachterbahn verbrauche, können alle Muttertage nicht reinholen, aber wenn ich meine Kinder anschaue, dann ist es jede Träne und jedes Lachen wert.

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